NoveliqaAscheherz: Überleben im letzten Funken / Der Vater und das Virus :0%
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Chapter 13

Der Vater und das Virus

Kapitel 13 Der Vater und das Virus

Das grelle Licht schnitt durch den Raum wie eine Klinge. Noahs Augen blinzelten, bevor sie sich an die plötzliche Helligkeit gewöhnten. Seine Finger krallten sich an die Holztischplatte, Atem schwer, Herzschlag hämmernd, als die Tür aufsprang.

Drei Männer in staubigen Uniformen stürmten herein. Das letzte Flackern der Kerze riss sich entzwei, und Dunkelheit wich umgehend fluoreszierendem Weiß. Ihre Gewehre waren kalt, unbarmherzig. Der Anführer – ein breitschultriger Mann mit einem zerschlissenen Abzeichen an der Schulter – entblößte ein kaltes Lächeln.

„Noah Brenner“, knurrte er. „General Hetz möchte mit Ihnen sprechen.“

Noah wollte sich aufrichten, spürte jedoch den stechenden Schmerz im linken Unterarm noch brennen, als hätte jemand ihn mit glühendem Eisen gezeichnet. Die Welt taumelte kurz, und in seinen Ohren rauschte es von der Anspannung.

„Seid ihr verrückt?“, keuchte er mit einem angsterfüllten Funkeln hinter den scharf geschnittenen Schatten unter seinen Augen. „Ich… ich habe nichts für Hetz!“

Der Mann hob spöttisch die Augenbraue. „Ignorier das nicht, Brenner. Dein Vater ist es wert, dass du zu ihm kommst. Oder willst du, dass wir deine Schwester erledigen?“

Der Satz riss die Luft entzwei. Ein flüchtiger Stich schoss in Noahs Brust, als ob das biestige Konvolut aus Hoffnung und Verzweiflung zersprang. Seine Stirn runzelte sich tief. Er biss sich auf die Unterlippe, während seine Gedanken aufblitzten.

„Wo… wo ist sie?“, brachte er heiser hervor, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Der Anführer lächelte finster. „Am Leben – für jetzt. Aber die Zeit läuft ab, Noah. Kommt mit uns.“

Noah stemmte sich gegen die Männer, doch sie hielten ihn wie eine Maschine, die nicht nachgab. Sein Blick fiel noch einmal zu der dunklen Ecke, wo ein dünner Strahl Mondlicht die Silhouette einer blass atmenden Gestalt berührte.

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Der Wagen rumpelte durch die Ruinen der ehemaligen Hauptstadt. Die Überreste zerbombter Hochhäuser ragten wie skelettierte Zeugen eines verlorenen Zeitalters in den grauen Himmel.

Neben ihm saß ein Journalist mit stumpfen Augen, der aus einem Notizblock flüsternd vor sich hin murmelte. „Ihr Vater“, begann er vorsichtig, „ist... anders, als alle denken.“

Noah starrte geradeaus in die tiefe Dunkelheit der Straße, sein innerer Widerstand kämpfte mit der aufkeimenden Neugier.

„Ich habe Dokumente gefunden, bevor sie mich geschnappt haben“, sagte der Mann leise, „Berichte über Experimente, die selbst für Hetz zu viel sind. Der Funke-Ausbruch – kein Zufall, sondern eine geplante Freisetzung. Von deinem Vater.“

Noah schluckte. Sein Puls raste. „Warum sollte er...“

„Kontrolle“, unterbrach der Journalist streng. „Er wollte die Bevölkerung reduzieren, die Schwachen aussieben. Er ist nicht der Mann, den du kanntest. Der Mann, der dich verlassen hat — das war ein Spiegelbild seiner wahren Absichten.“

Die Dunkelheit draußen schien noch dichter zu werden, verschluckte jede Hoffnung. Sein Kopf dröhnte. Flackernde Fragmente seiner Kindheit — ein Lächeln, ein Wort, ein Schatten — zerfielen unter der Last der neuen Wahrheit.

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Im Hauptquartier wurde Noah in einen kalten Raum geführt. Der Betonboden zersplitterte unter Fußtritten, schwere Metalltüren schlossen sich mit einem dröhnenden Seufzer hinter ihm.

Am anderen Ende stand eine silberhaarige Gestalt. Ein Mann, der trotz des Alters eine Aura von unerbittlicher Dominanz ausstrahlte. Seine Augen leuchteten kalt und berechnend.

„Noah“, sagte er mit rauer Stimme, als sei er das Gewissen selbst, „du bist gekommen. Und nun wirst du erfahren, was wahr ist.“

Die Stimme ließ kein Zögern zu. Noahs Kehle schnürte sich zu. Die Kälte und der Druck in seinem Innern eskalierten, alle Zellen schrien nach Flucht.

„Warum, Vater? Warum das Virus? Warum hast du uns verraten?“

Der Vater lächelte, doch es war ein Lächeln ohne Wärme. „Ich habe geopfert, um zu retten. Das Leben verlangt Opfer, mehr als du denkst. Du wirst verstehen.“

„Verstehen?“, keifte Noah. „Du hast eine Flamme gelöscht, die wir alle brennen lassen wollten!“

Der Mann trat näher, die Schatten vergangener Jahre zitterten im schwindenden Licht.

„Das Virus… es ist nicht nur eine Waffe. Es ist ein Schlüssel — zu einer neuen Ordnung. Ich habe dich vorbereitet. Du bist das fehlende Glied.“

Noah spürte, wie eine neue Erkenntnis wie glühende Asche in ihm niederfiel. Sein Herz zeitlos zwischen Wut, Enttäuschung — und einem düsteren Funken Hoffnung.

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Die Tür hinter ihm öffnete sich abrupt. Zwei Soldaten zogen eine Frau hinein.

Noahs Atem stockte, als das fahle Licht seine Züge offenbarte.

Seine Schwester.

Blass, verletzt, aber lebendig.

Seine Stimme war kaum mehr als ein Röcheln. „Leah…“

Die Stille zersprang, als sein Blick sich mit dem seines Vaters traf.

„Wird die Wahrheit dir deine Familie retten — oder zerstören?“ flüsterte eine innere Stimme, bevor das Kapitel in einem dröhnenden Schweigen versank.