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Chapter 1

Der letzte Funke

Ascheherz: Überleben im letzten Funken Kapitel 1 – Der letzte Funke

Der Himmel hing schwer über den Ruinen Berlins, verhangen von grauen Rauchfahnen und dem erstickenden Geruch von verbranntem Holz und Öl. Ein kalter Wind schlug durch die zerbrochenen Fenster der kleinen Wohnbaracke, in der Noah Brenner sich duckte. Auf der Brust pochte ihm ein seltsames Brennen, ein stechendes Ziehen, das sich langsam zu einem dumpfen Schmerz verschob. Seine Finger umklammerten eine zerknitterte, gelbe Plastiktüte – darin lagen die letzten verbliebenen Medikamente für seine Schwester Mia.

Draußen hallten Schreie. Doch sie klangen nicht mehr menschlich. Es war das Schluchzen von Verzweiflung gepaart mit dem erbarmungslosen Knacken brechender Knochen. Noahs Herz schlug so laut, dass es das gurgelnde Röcheln hinter der staubigen Fensterscheibe übertönte.

„Mia…“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Er rutschte rückwärts, das Ohr an der dünnen Holzwand. Irgendwo, tiefer in der Stadt, explodierten Flammen. Der bronzene Himmel verfärbte sich blutrot. Der scharfe Geruch nach Schwefel mischte sich mit dem fauligen Gestank toter Tiere und zerfallender Menschlichkeit.

Jemand schlug gegen die verbeulte Metalltür. Dreimal. Dann noch einmal – viel lauter.

Noah stieß die Luft aus, schwer und unregelmäßig. Er schob sich an die Tür, hing die Ohren an den Spalt. Im Flur dahinter kroch ein Mann in Militäruniform – die Farben waren verblasst, aber das Abzeichen auf der Schulter zeigte den schwarzen Greif auf rotem Grund. General Harland Hetz. Der Name tropfte wie Gift in seine Gedanken. Hetz war nicht weit gekommen, doch überall – in jedes Flüstern, in jeden Untergrundfunken – verankerte sich die Angst vor ihm.

„Brenner“, hauchte die Stimme, knapp über das Türschloss.

Noah presste die Hand auf den Brustkorb. Das Brennen im Herz nahm plötzlich zu, waberte aus wie eine dunkle Glut. Schweiß rann ihm den Nacken herunter. Er hätte fliehen sollen. Doch wohin? Die Straßen waren von den Infizierten übersät, Seelen, die mehr Monster als Menschen glichen.

Der General drückte gegen die Tür. „Öffne, und ich lasse dir Gnade.“

Ein bitteres Lächeln verzog Noahs Lippen. Gnade gab es nicht mehr. Nicht hier.

Der Ausbruch des Virus hatte die Welt entfesselt.

Vor wenigen Stunden war alles noch so gewesen wie gestern: Mia kicherte in der Küche, ihre blassen Hände umklammerten eine zerfledderte Puppe. Noah hatte versucht, ihr die Medikamente zu verabreichen, doch sie schüttelte den Kopf, verweigerte die Medizin gegen die rächende Krankheit, die ihre Lunge zersetzte. Danach waren die Nachrichten gekommen – die Quarantänezonen, dann die Durchsagen, dass die Kranken sich in Monster verwandelten. Nur wenige Stunden, und die Städte zerfielen in Asche.

Jetzt war Olaf, ihr letzter Verbündeter, verschwunden, verschlungen von der Dunkelheit da draußen. Kein Lebenszeichen mehr. Kein weiterer Atem.

Das Rattern von schweren Stiefeln ließ das Holz beben. Noah tastete mit der freien Hand nach dem Messer in seinem Gürtel. Sein Körper schrie auf, als eine eiskalte Nadel von der geheimnisvollen Verletzung in seinem Oberarm ausstrahlte. Zwei dünne, fast unsichtbare Kratzer, die beim letzten hektischen Fluchtversuch entstanden sein mussten. Doch innerlich fühlte es sich an, als würde ihnen ein giftiger Funke entwischen, der ihn Stück für Stück zerfraß.

Die Wunde pochte, und eine matte Schwäche kroch durch seine Glieder.

„Was… was ist das?“

Flimmernde Schatten tanzen auf der Wand. Sein Atem wurde flacher, die Zeit dehnte sich wie zäher Rauch. Der Graben zwischen Leben und Tod schien auf einen Spalt zusammenzubrechen.

Die Tür schwang auf.

General Harland Hetz stand im Türrahmen, sein Blick kalt, unerbittlich, wie ein Richter über das Schicksal der Überlebenden.

„Keine Gnade“, flüsterte er und trat ein.

Noah starrte auf seinen Arm, wo die Haut sich dunkel verfärbte, und ahnte, dass dieser Fehler fatale Folgen haben würde.

Der letzte Funke zwischen ihnen nahm Form an – brennend, tödlich, unausweichlich.

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Ende Kapitel 1