NoveliqaAlpha des Schicksals: Blutband der Ewigkeit / Ein Verräter in den eigenen Reihen :0%
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Chapter 7

Ein Verräter in den eigenen Reihen

Kapitel 7 Ein Verräter in den eigenen Reihen

Das Echo von Darian Vex’ letzten Worten hallte noch in Lioras Ohren nach, während der kalte Nachtwind durch die abgestorbenen Äste der umgebenen Bäume schnitt. Ihre Brust hob sich schwer, Herzschlag ein wilder Trommelschlag gegen ihre Rippen, der Geschmack von Blut und Rauch schwebte in ihren Sinnen, als hätte die dunkle Nacht selbst es in ihre Kehle gegossen. Schweissebenen glitten langsam von ihrer Stirn, doch nicht vom Körper, sondern von ihrer Seele – eine feuchte, unsichtbare Last, die sie nun schwer und unerbittlich trug.

Um sie herum herrschte eine eigentümliche Stille, die nur von den gelegentlichen Rascheln der Blätter und entfernten Heulen gebrochen wurde. Doch in dieser Stille lag nicht Frieden. Nein, sie konnte es spüren: eine unsichtbare Masche spann sich immer enger um ihr Rudel. Ein Verräter.

»Liora…« Kael trat aus dem Schattenbaum hervor, seine Stimme brüchig, aber bestimmt, ein sanfter Kontrast zur finsteren Nacht. »Wir müssen sofort handeln. Darians Erklärung war kein bloßes Drohgebärden. Jemand von uns spielt ein doppeltes Spiel.«

Lioras Augen verengten sich, kalter Zorn mischte sich mit verletzlichem Zweifel. »Wer? Wie kann er so etwas auch nur wagen? So tief im Herzen unseres Rudels?« Ihre Stimme bebte, nicht aus Angst, sondern aus der schneidenden Erkenntnis, dass sie ihre eigene Familie nicht mehr sicher schützen konnte.

Kael trat näher, senkte die Stimme. »Ich habe gestern Nacht mit Brom gesprochen. Er hat etwas gesehen – mehr als nur Schatten, Liora. Er glaubt, jemand hat sich in unsere Nachrichten eingeschlichen, unsere Pfade belauscht.«

Ein kalter Schauder lief Liora den Rücken hinunter. Brom – der stille Wächter, der stets am Rand stand, ein Schatten selbst, der doch so viele Geheimnisse kannte. Wenn er bereits misstrauisch war, was blieb dann für sie?

»Wir werden heute Nacht eine Zusammenkunft abhalten«, sagte sie plötzlich, ihre Stimme fester als zuvor. »Jedes Mitglied muss kommen. Jeder wird befragt, bis jede Lüge aufgedeckt ist.«

Kaels Stirn legte sich in tiefe Falten. »Und was, wenn der Verräter nicht nur hört, sondern auch weiß, dass wir ihn jagen? Was, wenn wir in eine Falle geraten?«

Liora trat einen Schritt vor, ihre Finger ballten sich vor Entschlossenheit. »Dann müssen wir schneller sein. Wir dürfen keinen Fehler machen, Kael. Für unser Rudel. Für unsere Zukunft.«

Kael nickte langsam und blickte in den dichten Nebel, der sich über den Wald legte. »Wir sollten Brom holen. Er kennt die alten Pfade, die Verstecke. Vielleicht führt uns das zu unserem Verräter.«

Der Wald schien diese Worte zu verschlucken, kaum ein Laut verriet den Rhythmus ihres Marsches. Sekunden dehnten sich zu Minuten, die Dunkelheit fraß ihre Umrisse auf, nur die schwachen Leuchtpunkte der Glühwürmchen rispelten umher, wie kleine, verlorene Seelen.

Brom wartete, wie immer, dunkel und reglos, an der Grenze ihres Territoriums. Seine hohen Schultern und die stumpfen, wachsamen Augen wirkten so unnahbar wie eine steinerne Statue. Doch als er Liora erblickte, blitzte ein ganz anderes Feuer in seinen Blicken auf – eine Mischung aus Respekt und Sorge.

»Ihr wollt, dass ich helfe«, sagte er knapp und seine Stimme war rauchig vom Rauch der letzten Nacht. »Ich habe Spuren gefunden. Hinweise, die in falschen Händen zum Verhängnis werden könnten. Aber ihr müsst wissen, das Spiel, das wir spielen, ist tödlich. Ein Schritt zu spät, und alles fällt ins Nichts.«

Lioras Magen zog sich zusammen, jene Stimme trug ein Gewicht, das kaum zu ertragen war. »Zeig uns, wo diese Spuren sind.«

Langsam führte Brom sie tiefer in den Wald hinein, an Stellen vorbei, die kaum ein Rudelmitglied kannte. Die Luft wurde feuchter, der Nebel schwerer, die Geräusche der Stadt irgendwann verstummt, ersetzt durch das Knirschen trockener Zweige unter ihren Füßen und das leise Flüstern von verborgenen Geheimnissen.

Plötzlich stoppte Brom abrupt. »Hier.« Seine Hand zeigte auf einen kleinen, fast unscheinbaren Stein, unter dem der Boden eigenartig aufgebrochen war. »Ein verborgenes Versteck. Jemand hat etwas vergraben. Und wenn ich mich nicht täusche, wartet dort… ein Teil unserer Geschichte, der niemals ans Licht sollte.«

Geduckt kniete sich Liora neben den Stein, das kalte Moos kitzelte ihre Handfläche. Ein stockfinsteres Gefühl kroch ihr in den Nacken – nicht nur wegen der Dunkelheit, sondern wegen der namenlosen Gefahr, die hier lauerte. Hastig begann sie zu graben, die feuchte Erde fühlte sich schwer und klamm an, als würde sie alte Sünden festhalten wollen.

Plötzlich stieß ihre Hand auf eine kleine, ledergebundene Schatulle. Sie zog sie heraus, spürte das grobe Material unter ihren Fingern, zögerte einen Moment… Dann sprang der Verschluss auf und eine windige Ladung Pergament ergoss sich vor ihr wie ein düsterer Strom.

»Was ist das?« Kaels Stimme klang wie aus weiter Ferne, als wäre das Gewicht dieser Dokumente bereits tödlich genug.

Liora blätterte vorsichtig durch die Schriftstücke. Unscharfe Namen – vertraut und doch fremd. Geheimverträge, verzweifelte Schwüre zwischen verfeindeten Rudeln. Und dann: ein Siegel, das sie selbst erkannte – ein Zeichen, das eng mit einem ihrer engsten Gefährten verbunden war.

Der Boden unter ihr schien zu schwanken. Einer von ihren, hier – in dieser Verschwörung. Ein Gefühl wie tausend stechender Nadeln durchbohrte sie. Hoffnung und Verrat lagen nun in ihren Händen, schwer wie ein Urteil.

»Das hier…« Liora hob ein Pergament hervor. »Das ist kein gewöhnlicher Pakt. Es ist eine Einladung zu Verrat, getränkt in Blut und Lügen.«

Kael sah sie an, die Stirn kräuselte sich, die Faust so fest geballt, dass sein weißer Knöchel leuchtete. »Verdammt. Das kann nur einer von uns gewesen sein.«

Brom trat näher, seine Stimme ein heiseres Flüstern. »Wir müssen herausfinden, wem diese Handschrift gehört. Und vor allem – wem kann man noch trauen, wenn die Intrige schon tief in den Wurzeln unseres Rudels sitzt?«

Lioras Blick schweifte durch die Dunkelheit. Das Rudel – ihr Zuhause, ihr Schwur und ihr Schild – war mehr denn je ein Ort der Schatten geworden. Jeder Freund konnte ein Feind sein, jede Umarmung eine Falle.

Ein dumpfes Knistern riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Herz raste. Ein Geräusch – zu nah, zu lebendig, um ignoriert zu werden.

»Daran fühlte ich es sofort.« Sie griff nach Kaels Arm. »Wir sind nicht allein. Der Verräter weiß, dass wir nahe sind. Die Zeit läuft.«

Kael nickte, das Klingen von Stahl, das leise an seinem Gürtel klirrte, war ihr letzter Halt in dieser unbarmherzigen Nacht. »Vielleicht ist er jetzt hinter uns her.«

Liora drehte sich um, Augen scharf wie ein Räuber, der die Erstbeute wittert. Doch da war nur die Dunkelheit. Oder doch nicht?

Aus dem Schatten trat eine Gestalt hervor, langsam, mit selbstbewusster Ruhe. Ein Lächeln, kalt und berechnend, glitt über die Lippen – zu vertraut, um nicht wehzutun.

»Ihr sucht den Verräter«, hauchte die Stimme. »Vielleicht… solltet ihr eher mir vertrauen.«

Lioras Atem stockte. Die Schlacht um ihr Rudel hatte gerade erst begonnen.

Und die Gefahr war näher als sie je zu fürchten gewagt hatte.

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Damit endet Kapitel 7 mit einem grollenden Cliffhanger, der Liora vor die zentrale Frage stellt: Kann sie diesem unerwarteten Verbündeten vertrauen – oder wacht der Schatten des Verrats bereits an ihrer Seite?