Chapter 13
Kapitel 13 Ein schmerzhafter Verrat
Die Luft zischte noch nach, kalt und scharf, als die Klinge im Schein des Lagerfeuers flackerte. Lioras Brust hob und senkte sich schwer, ihr Herz prallte gegen die Rippen, als wäre es zerschlitzt. Es war vorbei. Doch die Schatten, die diese Worte geweckt hatten, krochen wie düstere Flüsterer durch die Nacht.
„Ich weiß jetzt, was du bist.“
Kaels Stimme war ein raues Knarren, ein zerfetzter Schleier zwischen Freundschaft und Verrat.
Neben ihr trat ein Schatten hervor, eine Silhouette, die ihr den Boden unter den Füßen entziehen ließ. Morvin. Seit Jahren war er Kaels engster Vertrauter, jemand, dem sie allen Grund gehabt hatte zu trauen.
Doch dieser Morvin zeigte kein Lächeln mehr, keine Spur der Wärme, die sie sonst kannte.
Seine Augen blitzten kalt, die Lippen verzogen sich zu einem flüchtigen Grinsen, das von kalter Berechnung zeugte.
„Darian hat seine Hände tiefer in dieses Spiel gelegt, als du es dir vorstellen kannst, Liora“, murmelte Morvin mit schwerer Stimme. „Du bist nur ein Teil seines Puzzles. Ein vergängliches Schachstück.“
Liora spürte, wie ein frostiger Wind durch ihren Nacken kroch, ihre Finger verkrampften sich am Griff ihres Dolches.
Sie wollte schreien. Wütend sein. Verrückt werden vor Schmerz.
Doch die Stimme in ihrem Inneren flüsterte ihr anders zu: Ruhig bleiben. Beobachten. Reagieren.
Kael trat vor, sein Blick glühte, Furcht und Hass verschmolzen zu einer gefährlichen Mischung.
„Warum, Morvin?“, fragte Kael, die Worte wie Messer in die kalte Nacht gestoßen. „Warum hast du uns verraten?“
Morvin lachte kurz, ein bitterer Klang, der die angespannte Stille zerfetzte. „Macht, Kael. Nichts als Macht. Der Alpha-Schwur ist nichts wert, wenn du nicht das Feuer im Herzen hast, das dich brennen lässt. Darian hat mir eine Zukunft gezeigt, eine Welt, in der wir herrschen, nicht gefangen sind.“
Eine Sekunde, und Kaels Faust schoss vor, seine Hand traf Morvin überraschend hart am Kinn. Der Spion taumelte zurück, wankte, fing sich wieder.
„Du bist nichts als ein Feigling.“ Kaels Stimme zitterte. Schmerzen, aber auch eine vergiftete Entschlossenheit.
Liora sprang zwischen die beiden, die Feder eines entstehenden Konflikts, der das ganze Rudel zerreißen konnte.
„Moment“, flüsterte sie. „Wir wissen nicht, ob er auch mehr tut. Er könnte uns noch Informationen geben.“
Morvins Blick verengte sich, seine Augen blitzten gierig. „Ihr seid blind, Liora. Er ist mein bester Freund, aber er wird den Clan vernichten, wenn er kann. Dieses Wissen kostet mich aber auch. Was ich verrate, ist das Letzte, was ich von mir gebe.“
Kael ballte die Hände zu Fäusten, seine Lippen pressten sich zu einer dünnen Linie zusammen. Die Welt schien für einen Moment stillzustehen, schwer und erdrückend.
„Du hast das Rudel verraten. Du hast unsere Brüder und Schwestern in Gefahr gebracht. Und du hast mich verraten,“ keuchte Kael und seine Augen suchten Lioras, als ob er in ihrem Blick Halt finden wollte.
Liora fühlte die Schwere der Entscheidung, die vor ihnen lag, zerrissene Brücken und der bittere Nachgeschmack von Verrat.
„Sag mir, Kael…“ Morvins Stimme war ein schneidendes Messer, „wirst du denjenigen bestrafen, den du Bruder nanntest? Oder wirst du dir selbst verzeihen, zu lange blind gewesen zu sein?“
Kael schloss die Augen. Schmerz zeichnete sich in jeder seiner Bewegungen ab, doch als er sie öffnete, loderte ein neues Feuer auf. Kein Funken von Nachsicht.
„Es gibt nur einen Weg.“
Er wandte sich ab, bereit, sich über das Schicksal des Verräters zu erheben.
Liora spürte, wie die Kälte der Nacht in ihre Knochen zog, ihre Hände zitterten noch immer, als Morvins hämisches Lachen vom Waldesrand widerhallte.
Der Verrat hatte seinen Tribut gefordert.
Die Frage blieb: Würde Kael vergeben – oder bestrafen?
Ein scharfer Windstoß jagte die Schatten vor sich her, als ein kaltes Echo zwischen den Bäumen widerhallte.
Und irgendwo im Dunkel wusste jeder, dass die wahre Jagd erst jetzt begann.