第{{num}}話 1
Die kühle Glasfassade der Galerie reflektierte die bleichen Neonlichter der Stadt, während Emilia Winter nervös auf dem Pflaster stand. Ihre Hände zitterten leicht, als sie die Mappe mit ihren Zeichnungen fester umklammerte. Der Regen hatte aufgehört, doch die nassen Straßen glitzerten wie schwarze Spiegel. Ein leichter Wind strich über die Gasse, trug den muffigen Geruch von feuchtem Beton und verbranntem Gummi mit sich.
In der Ferne heulten Sirenen, doch hier im Viertel wirkte alles erstarrt, wie eingefroren zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Emilia biss sich auf die Unterlippe, spürte die Kälte, die durch ihre dünne Jacke kroch, und wusste, dass sie keine Wahl hatte. Die Rechnungen türmten sich, die Mahnschreiben stapelten sich auf dem Küchentisch. Die Kunst konnte sie nicht ernähren. Nicht allein.
Plötzlich öffnete sich die schwere Glastür der Galerie. Eine steinerne Gestalt trat heraus, höchst elegant und doch von einer Aura umgeben, die den Atem stocken ließ. Er war etwa Mitte vierzig, mit kühlen blauen Augen, die wie Messer funkelten, und einem dezenten Lächeln, das mehr Fragezeichen aufwarf als beantwortete. Alexander Brandt.
Sein Anzug saß maßgeschneidert, die Krawatte akkurat gebunden, der Duft von teueren Hölzern und Leder umgab ihn wie eine unsichtbare Rüstung.
„Emilia Winter“, sagte er mit tiefer Stimme und klang dabei keineswegs überrascht. „Ich habe von Ihnen gehört.“
Sie schluckte, der Herzschlag beschleunigte sich. „Sie… kennen mich?“
Er nahm einen Schritt auf sie zu, musterte sie von oben bis unten, ohne eine Spur von Mitleid. „Ich kenne Ihr Talent. Und Ihre Situation.“
Emilia verengte die Augen. „Das ist… nett, aber ich brauche keine Almosen.“
Ein leises Lachen entfuhr ihm, trocken und scharf wie gebrochenes Glas. „Kein Almosen, Miss Winter. Ein Geschäft. Ein Vertrag.“
Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Ich unterschreibe nichts, was meine Freiheit kostet.“
„Freiheit“, wiederholte er leise, fast ironisch. „Für Sie ist sie schwer zu finden. Gerade weil Sie glauben, sie verteidigen zu müssen.“ Seine Stimme senkte sich zu einem gefährlichen Flüstern. „Was wäre, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich Ihre Schulden begleichen will? Komplett.“
Emilia erstarrte. Ihr Blick flog zu der Mappe in ihrer Hand. „Wieso sollten Sie das tun?“
Ein Schatten huschte über sein Gesicht, dann ein Lächeln voller dunkler Geheimnisse. „Weil ich etwas von Ihnen will. Etwas, das Ihnen mehr Kontrolle geben wird, als Sie sich jetzt vorstellen können.“
Die Spannung hing wie ein unsichtbares Netz zwischen ihnen. Emilia spürte, wie ein eisiger Windstoß an ihren Haaren zog, während ihre Gedanken raste. Sie wollte fragen, wollte weglaufen, doch ihr Körper war gelähmt von der plötzlichen Erkenntnis: Das Angebot war ihre einzige Chance.
„Was erwarten Sie im Gegenzug?“, fragte sie mit rauer Stimme.
Seine Augen blitzten unverhohlen. „Eine Heirat. Ein Vertrag auf Zeit. Eine Partnerschaft, die beide Seiten schützt und miteinander verbindet.“
Emilias Atem stockte. Die Welt um sie herum schien für einen Moment stillzustehen. Ein Heiratsvertrag mit einem Mann, der in einer anderen Sphäre lebte als sie. Ein Milliardär mit undurchschaubaren Motiven.
„Warum ich?“, hauchte sie schließlich. „Warum gerade ich?“
Alexander machte einen Schritt näher, seine Präsenz überwältigend. „Weil Sie genau das sind, was ich jetzt brauche. Und vielleicht… weil auch ich etwas brauche, was nur Sie mir geben können.“
Die schwere Glastür hinter ihm schlug mit einem leisen Knall zu. Die Nacht umfasste sie beide wie ein gieriger Schatten. Emilia sah in seine Augen und wusste, dass nichts jemals wieder so sein würde.
Das Spiel hatte gerade erst begonnen.