第{{num}}話 1
Der Regen trommelte wie ein hektisches Klopfen gegen das schmale Fenster der kleinen Atelierwohnung. Lina Weber saß am wackeligen Holztisch, von dem nur noch das schrille Summen ihres alten Laptops ablenkte. Vor ihr lag ein Berg ungeordneter Rechnungen, eingeklemmt zwischen zerknitterten Stoffmustern und halb ausgearbeiteten Skizzen. Ihre Finger flogen nervös über die Tastatur, doch die Zahlen am Bildschirm schienen mit jedem Augenblick schwerer zu werden.
Ein scharfer Windstoß riss die Tür auf. Lina zuckte zusammen. Ihr Vater trat hastig ein, die Stirn tief in Sorgenfalten gelegt. "Lina, du musst das sehen," keuchte er, während er ihr ein dickes, schweres Kuvert auf den Tisch knallte. Der Geruch von kaltem Asphalt und Zigaretten hing noch an seinen Händen.
Sie riss das Papier auf, und sofort schlug ihr Herz schneller. Die offizielle Mahnung der Bank war keine bloße Zahlungsaufforderung mehr – es war das Ende der Schonfrist. Fünfhunderttausend Euro. Für ihre Familie. Für ihr Zuhause. Für die Zukunft, die sie sich so mühsam erarbeitet hatten.
"Wie—Wie soll ich das bezahlen? Wir haben kaum genug, um die Miete zu decken," flüsterte sie, während ihr Blick über die Zeilen wanderte. Der kalte Schweiß perlte an ihrer Schläfe. Der Druck war wie eine unsichtbare Hand, die ihr die Kehle zuschnürte.
Ihr Vater schüttelte den Kopf, seine Stimme zitterte. "Ich habe überall angesucht, bei Freunden, bei der Bank... Aber ohne Sicherheiten sind wir verloren. Du bist das Letzte, worauf wir hoffen können."
Lina schluckte. Ihre Gedanken rasten, eine Lawine aus Angst und Verzweiflung. Überstunden, Aufträge annehmen, Schulden machen – alles schien wie ein Tropfen auf den glühenden Stein. Und dann war da noch das Angebot von Frau Krüger, der schmierigen Galeristin, die ihr einen fragwürdigen Kompromiss vorschlug. Lina hatte abgelehnt. Sie wollte ihr Talent nicht verkaufen.
Und dennoch... in diesem Moment erschien das Gewicht der Verantwortung unerträglich.
Ihr Telefon vibrierte auf dem Tisch. Auf dem Display leuchtete eine unbekannte Nummer. Zögernd nahm sie ab.
"Frau Weber? Hier spricht Alexander von Falkenholt."
Lina presste die Stirn zusammen. Der Name klingelte wie ein Schatten in ihrem Kopf, doch sie konnte ihn nicht zuordnen.
"Ich habe von Ihren Schwierigkeiten gehört und glaube, Ihnen eine Lösung anbieten zu können."
Eine Pause. Sein Ton war ruhig, fast als lächelte er hinter der Stimme. "Ein Vertrag, der Ihnen nicht nur Ihre Schulden erlassen wird, sondern Ihnen auch eine Plattform verschafft, um Ihre Designs der Welt zu präsentieren."
Ein Gefühl von Misstrauen kroch unter ihre Haut. "Warum sollten Sie mir helfen? Wer sind Sie überhaupt?"
"Ich bin jemand, der selten bietet, aber wenn ich es tue, dann will ich auch etwas."
Das Klicken am anderen Ende ließ keinen Zweifel zu. Das war kein Anruf aus Mitgefühl. Lina stellte das Telefon auf lautlos und starrte zurück zu den Papieren, die ihr Leben zerrissen.
Wer war dieser Alexander von Falkenholt – und was wollte er wirklich von ihr?