第{{num}}話 1
**Kapitel 1 Das unerwartete Ende**
Der windumtoste Saal war so prächtig wie ein Altar der Vergangenheit – Kronleuchter aus Kristall funkelten wie eingefrorene Sterne, schwere Draperien hingen in dunkelrotem Samt, und der Duft von jahrhundertealtem Holz mischte sich mit dem schwülen Geruch abgestandener Geheimnisse.
Lina Weber trat über die Marmortreppe ins Herz des Herrenhauses von Falkenstein. Ihre Haut spannte sich an, als der kalte Hauch durch die hohen Fenster zog. Die elegante Fassade zerfiel hier und da unter der Last unausgesprochener Geschichten. Die Atmosphäre war ein schwerer Teppich aus Erwartung und Verachtung, kaum zu durchdringen.
"Wissen Sie wirklich, dass er tot ist?" Ihre Stimme war leise, doch scharf wie ein Skalpell.
Der Butler, ein grauhaariger Mann mit stechenden Augen, nickte stumm und wies. "Das Arbeitszimmer, Fräulein Weber. Das Herrenzimmer. Herr von Falkenstein liegt dort."
Ein Flüstern zog wie dunkler Rauch durch den Salon. Die versammelte Familie – in dunkle Samt- und Seidengewänder gehüllt, deren glattes Gewebe so unnahbar wirkte wie ihre Gesichter – stand in einem Halbkreis und starrte unbeweglich auf die Tür.
Lina spürte den brennenden Blick von Konstantin von Falkenstein, einem Mann, so scharf geschnitten, als könne er mit einem Blick durch Stahl schneiden. Seine jugendliche Strenge verbarg die Erschöpfung eines Mannes, der zu viel wissen musste.
Sie atmete tief durch, und mit jedem Schritt, den sie vorwärts machte, schien die Last dichter zu werden. Die schwere Holztür hakte, als sie sie öffnete.
Im Inneren lag Friedrich von Falkenstein auf dem antiken Perserteppich. Sein Körper war reglos, die Augen weit aufgerissen und starrten wie ausgeblichene Fossilien ins Nichts. Blut glänzte vom Adlerfeder-Knauf seines Brieföffners, der im Herzen seines Oberkörpers steckte und wie ein bösartiges Symbol wirkte.
Der Raum schien den Atem anzuhalten.
"Er war allein," flüsterte der Butler, "bis kurz vor dem Abendessen."
Lina kniete nieder, ihre Finger glitten über den kalten Stoff der Weste, tasteten den Puls – ein letzter verzweifelter Reflex – verstummt.
"Haben Sie irgendjemanden gesehen? Fremde, Besucher?" Ihre Stimme war wieder klar, doch der unterdrückte Zorn zehrte an ihr.
Konstantin trat vor. Seine Augen verengten sich, und aus seiner Stimme schnitt kaufmännisches Kalkül durch. "Niemand verlässt dieses Haus ohne meine Erlaubnis. Und niemand betritt es unbemerkt." Die Andeutung war eine kalte Klinge.
"Doch die Tür war offen," wandte sie ein und spürte, wie die Blicke sie durchbohrten.
Konstantin nickte knapp. "Wir alle waren im Speisesaal. Das Personal auch. Nur er selbst war hier."
Lina lauschte auf das entfernte Klirren von Porzellan und das gedämpfte Raunen aus dem Salon. Die Welt draußen schien abgekapselt, wie ein Gefängnis hinter dicken Mauern.
"Wer hatte Zugang zu diesem Raum?" fragte Lina.
"Nur die Familie und die engsten Vertrauten. Negativ, Fräulein Weber. Der Vorhang darf nicht zerreißen." Seine Stimme bebte leicht, zugleich kontrolliert.
Lina fühlte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Diese Familie – eingehüllt in ihre aristokratische Rüstung – konnte genauso töten wie die Messer in ihren Händen.
Sie richtete sich auf und merkte, wie jeder einzelne im Raum ihr Geheimnis zu erkennen schien, obwohl sie nichts preisgegeben hatte.
"Und der Grund für diesen Mord?" Ihre Kehle wurde trocken, als lautlose Fragen wie Wellen gegen die Stille schlugen.
Eine schneidende Stille kehrte zurück, als hätte sich die Zeit selbst angewiesen, zu schweigen.
Plötzlich, durch die Tiefe des Wohnzimmers, erklang das scharfe Geräusch einer sich öffnenden Glastür. Alle Köpfe richteten sich ruckartig in die Richtung der Terrassentür.
Eine schlanke Silhouette zeichnete sich vor dem trüben Licht des Nachthimmels ab, die Konturen eines Mannes oder einer Frau – Lina konnte es selbst nicht fassen – vor Stress und Unsicherheit deformiert.
Die Tür schloss sich mit einem dumpfen Knall, der in Lina eine Kälte hinterließ, die nichts mit der Abendluft zu tun hatte.
Wer um Himmels willen war das? Und welche Wahrheit brachte er oder sie mit sich? Wer hatte Friedrich von Falkenstein in sein Reich des Todes geschickt?
Lina spürte die unausweichliche Schlinge des Schicksals ziehen – sie waren noch nicht am Ende. Noch nicht.
Die Schatten des Herrenhauses versprachen mehr als nur ein Ende. Sie flüsterten den Tod selbst.
Wer hat das mächtige Oberhaupt der Familie von Falkenstein ermordet?