Capítulo 1
Alpha des Schicksals: Blutband der Ewigkeit Kapitel 1 – Das Blutrufer Erwachen
Der dichte Nebel kroch wie ein lebendiges Wesen durch die knorrigen Äste der uralten Wälder, die das verstoßene Rudel von Liora Hartmann umgaben. Jeder Zweig schien unter der Last jahrhundertealter Geheimnisse zu ächzen, während die kühle Luft den feuchten Geruch von modrigem Laub und frischem Blut trug. Liora stand am Rand einer dunklen Lichtung, die vom silbernen Mondlicht durchscheint wurde, das wie eine kalte Hand auf ihre Haut legte.
Ihre Augen, tiefgrün und von einem inneren Feuer erfüllt, verengten sich. Jeder Muskel ihres schlanken Körpers war angespannt, die Sinne schärfer als je zuvor. Ihr Herz schlug nicht nur vor Aufregung, sondern vor Ängsten, Erinnerungen und einer instinktiven Warnung.
»Liora«, flüsterte eine Stimme in ihrem Inneren – nicht ihre eigene, sondern wie ein Echo, das aus einem anderen Raum in ihrer Seele hallte. Der Atem wurde oberflächlich, als eine unaufhaltsame Hitze sich langsam in ihrer Brust ausbreitete.
„Warum jetzt?“, dachte sie, während die Kälte langsam von einer unerklärlichen Wärme verdrängt wurde. Ein dumpfes Pochen begann, als ob ein unsichtbarer Schlaghammer gegen ihre Rippen schlug.
Das Rudel war klein, zerrissen und misstrauisch. Seit Jahren kämpfte sie darum, selbst als Alpha anerkannt zu werden – trotz ihrer verletzlichen Herkunft, die andere als Makel betrachteten. Doch heute war anders.
Plötzlich ein Puls, scharf wie ein Blitz, durchfuhr ihren Geist. Sie taumelte leicht zurück, Hände auf die Knie gestützt, das Atmen schwer und flach. Die Geräusche des Waldes schienen zu verblassen, ersetzt von einem tiefen, fremden Herzschlag, der nicht ihr eigener war.
Dann – ein warmer, elektrisierender Schmerz an ihrer Schläfe. Eine Stimme, rau und zugleich hypnotisch, drang in ihre Gedanken ein:
„Liora... Fated Mate. Kael ruft dich.“
Ihr Blick schoss in die Dunkelheit des Waldes, als eine Gestalt aus dem Schatten trat. Der Mond reflektierte auf eisblauen Augen, die mit einer unvergleichlichen Intensität auf sie zielten. Seine Präsenz war überwältigend, ein gewaltiges, fast unheimliches Charisma zog sie wie ein Magnet an und zugleich schreckte es sie ab.
„Du spürst es, nicht wahr? Dieses Band, das uns verbindet“, sagte er, ein Hauch von einem Lächeln spielte auf seinen Lippen, obwohl seine Augen kalt blieben.
Liora schluckte schwer, das Feuer in ihr flackerte auf, gleichzeitig fühlte sie sich, als treibe ein Sturm von Zweifel und Verlangen durch jede Faser ihres Körpers. „Ich – ich kenne dich nicht“, brachte sie aus, aber die Worte klangen schwach inmitten des rasenden Dröhnens in ihrem Kopf.
Kael trat einen Schritt näher, sein Atem streifte ihre Haut wie ein Schatten, leer und doch drängend. „Das Schicksal hat uns längst miteinander verflochten. Du bist mehr als nur Alpha deines Rudels, Liora. Du bist das Blutband. Dein Herz schlägt für uns beide.“
Ein leiser Windhauch drehte sich, trug den Duft von Moos, Blut und einer längst verlorenen Zeit mit sich. Liora spürte, wie ihr Innerstes zerriss – zwischen Pflicht und Verlangen, zwischen Geheimnis und Wahrheit. Der Druck in ihrer Brust wuchs und schien alles um sie herum zu verschlingen.
Dann, hinter ihr, ein Geräusch. Fast unhörbar, aber genau – ein leises Knacken von Zweigen, das sich wie ein kalter Dolch durch das Herz der Nacht bohrte. Liora ließ den Blick rasch über die Schatten gleiten, griff automatisch instinktiv nach der Klinge an ihrer Hüfte.
Kael folgte ihrem Blick, seine Augen blitzten kurz vor Alarm. Doch etwas in seinem Ausdruck blieb undurchdringlich. „Du bist nicht allein, Liora. Niemand kennt das Dunkel, das sich nähert.“
Das Raunen des Waldes verstärkte sich zu einem Sirren. Ein Schatten löste sich aus dem Nebel, der Umriss eines Mannes, schlank und von düsterer Aura durchzogen. Sein Blick bohrte sich heimlich und verlangend in Lioras Rücken, als beobachte er ein ahnungsloses Reh in der Falle.
Liora spürte die eisige Berührung einer Gefahr, die noch namenlos war, aber schon tief in ihrer Seele widerhallte – ein Fremder, dessen Anwesenheit sich wie ein Schatten aus längst vergessenen Zeiten anfühlte.
„Wer bist du?“ Ihre Stimme war jetzt scharf wie eine Klinge.
Doch der Mann antwortete nicht. Stattdessen verschmolz er mit dem Nebel, ließ nur die eisigen Augen zurück, die wie zwei kalte Dolche im Dunkel glühten.
Das Blut in ihren Adern brannte nun unaufhaltsam, als das Band zwischen ihr und Kael sich unübersehbar spannte, und die Schatten der Vergangenheit sich bedrohlich zusammenzogen.
Das Schicksal hatte gesprochen. Doch was es wirklich verlangte – das wusste Liora noch nicht.
Ein letzter Blick galt der Lichtung, als der Ruf der Nacht sich wie ein Flüstern in ihrer Seele festbiss:
Blut ruft Blut – und nichts kann das Band der Ewigkeit zerreißen.
Dann… ein leises Knacken… hinter ihr.
Und die Gestalt eines Fremden, der sie heimlich beobachtete, schritt weiter voran.