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NoveliqaSchleifenjagd: Das Echo der Zeit / Die ewige Stadt der Schleifen :0%
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Kapitel 1

Die ewige Stadt der Schleifen

Kapitel 1: Die ewige Stadt der Schleifen

Der Regen prasselte unaufhörlich auf das neongetränkte Asphaltmeer hinab. In der Ferne stiegen dampfende Wolken aus den Ritzen zwischen den Hochhausgiganten empor, ein ewiger Schleier aus Feuchtigkeit und verlorenen Träumen. Elias Kain stand reglos an der Straßenkreuzung, das Gesicht halb von der Kapuze seines Mantels verhüllt, und starrte auf den flackernden Hologramm-Werbespot, der sich endlos wiederholte.

„Willkommen bei ChronoCorp – die Zukunft gehört jetzt.“ Die Stimme klang verklebt, wie eine kaputte Schallplatte, die unablässig denselben Satz spuckte.

Ein Schauder kroch Elias die Wirbelsäule hinauf. Er wusste genau, warum dieses Stück Stadt niemals Schlaf fand. Nicht, weil die Nacht so lebendig war, sondern weil sie feststeckte – wie eingefroren in einer einzelnen Sekunde, die immer wieder neu anfing. Eine Zeitschleife. Hier – mitten in Megacity Nexus.

*

„Du bist wirklich sicher?“ Die Stimme hinter ihm klang rau und müde, doch hart. Adrian, sein Partner, trat in den Regen, seine Augen scharf wie Rasierklingen.

Elias ließ den Blick nicht von der holografischen Reklame ab. „Das hier ist der Punkt, an dem alles begann. Das Zentrum der Schleife.“ Seine Hände ballten sich zu Fäusten in den Manteltaschen. „Ich kann es spüren. Siehst du das nicht?“

Adrian schnaubte leise. „Ich sehe eine Stadt, die sich in den eigenen Schatten verheddert. Immer wieder dieselben Gesichter, dieselben Bewegungen. Du bist besessen davon, Elias. Von deiner Schwester.“

Elias zog die Lider zusammen, das Bild vor seinen Augen verschwamm kurz. Lucie. Ihre letzten Worte, ihr kaltes Lächeln, der Moment, bevor alles in Flammen aufging.

„Ich mache das nicht für mich,“ sagte er leise, „sondern für sie. Und für all die anderen. Du weißt, wie viele Opfer diese Schleifen fordern. Menschen – eingesperrt in einem ewigen Morgengrauen, das nie verblasst, sondern sich wie ein erbarmungsloses Echo in Endlosschleife dreht.“

„Dann lass uns einen Weg finden, das zu beenden. Bevor wir beide darin versinken.“ Adrian sah ihm direkt ins Gesicht.

Doch Elias schüttelte den Kopf. „Das hier wird nicht nur enden. Es wird zerschmettert.“ Seine Stimme senkte sich, kaum mehr als ein Flüstern. „Und jemand wird dafür bezahlen. Viktor Draylen.“

*

Der Name war wie Gift auf der Zunge. Viktor Draylen – Namensgeber der mächtigen ChronoCorp und zugleich der Mann, den Elias hasste. Ein Meister der Zeitmanipulation, der mit jeder Schleife an Macht gewann, aber auch die Schatten seiner eigenen Schuld verbarg.

Der Regen wurde dichter, Tropfen liefen wie kleine Kristalle an Elias’ Gesicht hinab. Plötzlich blieb eine Gestalt neben ihnen stehen – eine junge Frau, in einen silbernen Mantel gehüllt, das Gesicht halb im Schatten. Sie hatte einen Blick, der durch Raum und Zeit zu blicken schien.

„Ihr könnt euch bewegen, wie ihr wollt,“ sagte sie mit einer Stimme, die gleichzeitig sanft und durchdringend klang, „doch die Schleife lässt nicht zu, dass ihr entkommt.“ Sie streckte ihre Finger aus, und vor ihnen flimmerte die Luft, brüchig wie Glas. „Noch nicht.“

Elias knirschte mit den Zähnen. „Was willst du damit sagen? Warum wiederholt sich der gleiche Tag?“

Die Frau lächelte traurig, aber ohne Wärme. „Weil die Zeit selbst verloren ist. Weil jemand versucht, sie zu kontrollieren – und dadurch das Gleichgewicht zerstört.“ Sie sah kurz an sich hinunter, als suchte sie Halt. „Wer immer ihr sucht… ihr spielt mit Kräften, die ihr nicht versteht.“

Ein schrilles Sirenengeheul durchschnitt die Luft, grelle Blaulichter warfen tanzende Schatten über die feuchten Straßen. Die Frau tauchte zurück in die Dunkelheit, verschwand wie eine Illusion.

*

Elias blickte zu Adrian, seine Augen brannten vor innerer Unruhe. „Wir müssen tiefer graben. Mehr wissen. Wenn diese Schleifen wirklich von Draylen geschaffen sind, halte ich nichts mehr von Zufall.“

„Und Lucie?“ Adrian sprach leiser. „Sie... was, wenn sie selbst ein Teil davon ist?“

Ein Frosthauch legte sich um Elias’ Herz. Die Erinnerung blitzte auf – Lucies Gesicht, bevor die Welt zerbrach, ein Lächeln, verloren zwischen den Rissen der Zeit. Hat sie wirklich versucht, ihn zu warnen, oder entkam sie selbst nie dem ewigen Kreislauf?

Das Flimmern der Stadt verstärkte sich. Die Menschen auf der Straße bewegten sich stockend, als wären sie Marionetten, deren Fäden immer wieder neu gezogen wurden. Ein Mann stolperte, drehte sich panisch um – und landete genau an der Stelle, wo er vor wenigen Minuten zusammengebrochen war.

Elias spürte, wie die Zeit ihn fest umklammerte, ein Netz aus unsichtbaren Fäden, das ihn zurückzog in eine Schleife, die er brechen musste.

Seine Finger verkrampften sich um den Griff seines alten Taschenmessers.

„Warum? Warum wiederholt sich alles... immer wieder?“ murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch im endlosen Klangteppich der Stadt.

Das Echo der Zeit antwortete nicht.

Doch das Spiel hatte begonnen.

---

Der Regen schluckte den nächsten Atemzug, das Neonlicht flackerte wie das letzte Flackern einer sterbenden Kerze.

Und die Stadt wartete.