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NoveliqaLevel 0: Aufstieg des Schattenläufers / Das Erwachen des Systems :0%
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Kapitel 1

Das Erwachen des Systems

Kapitel 1: Das Erwachen des Systems

Der Regen peitschte gegen die schmutzigen Fenster des Hochhauses, als Yannis Kühn hinter seinem Schreibtisch saß. Das matte Licht der Neonröhren flackerte und spiegelte sich auf seinem hochgewölbten Schädel. Die Uhr an der Wand tickte quälend laut – 23:47 Uhr. Noch eine Stunde, dann durfte er endlich die Firmenzentrale verlassen und dem trostlosen Alltag für mindestens acht Stunden entkommen.

Sein Blick wanderte zu den E-Mails auf dem Bildschirm. Accounts, Zahlen, Deadlines. Die Worte verschwammen zu einem nebligen Grau. Dahinter fühlte sich alles hohl an. Tief in seiner Brust zog sich eine Leere zusammen, die er nicht benennen konnte.

Plötzlich ertönte ein Knall. Metall auf Metall. Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem Raunen aus den Schatten des Flurs. Yannis’ Herz raste, sein Atem wurde flach.

Wer zum Teufel...? Er reckte den Kopf und spähte durch den schmalen Glastürspalt. Dort stand ein Mann, groß, breit, in dunkler Kleidung. Sein Gesicht war unter einer Kapuze verborgen. Die Augen blitzten gefährlich auf.

„Bleib weg!“, flüsterte Yannis, doch seine Stimme klang hohl und brüchig.

Der Fremde bewegte sich langsam, fast lautlos, schob eine halbautomatische Waffe aus dem Schatten und zielte auf die Tür. Ein Knacken, das Yannis’ Nackenhaut in Brand setzte.

Instinkt schrie in seinem Kopf: WEGRENNEN!

Seine Beine reagierten nicht.

Dann ein Ruck. Ein grelles Aufblitzen in der Mitte seines Blickfelds. Als würde eine unsichtbare Hand ein altes Schloss öffnen. Ein seltsames Glühen breitete sich aus seiner Brust aus, bahnte sich seinen Weg in den Kopf, entriss ihn der lähmenden Angst.

Eine Stimme, kalt und neutral, flüsterte in seinem Bewusstsein.

> „Level 0. System aktiviert.“

Yannis keuchte, als sich eine Vielzahl neuer Daten wie eine Flutwelle vor seinem inneren Auge entfaltete. Zahlen, Werte, Fähigkeiten – klar wie Glas, scharf wie Messerklingen.

Stärke: 5.

Geschwindigkeit: 3.

Wahrnehmung: 7.

Sein Herzschlag beruhigte sich, die Panik wich einem fokussierten Schärfen aller Sinne. Der Angreifer wartete, handelte langsam, suchte Nervosität in seinen Bewegungen – eine Fehlerquelle. Yannis atmete tief durch, spürte, wie sich seine Muskeln mit neuer Energie füllten.

Er trat von der Tür zurück, ließ sie zufallen und fuhr sich mit klammer Hand über das Gesicht. Der Schatten des Fremden blieb in der Tiefe des Flurs zurück.

„Wer bist du? Warum hier?“, flüsterte Yannis, beinahe an sich selbst gerichtet.

Doch die Antwort kam nicht.

Seine Augen fixierten den Bildschirm. Die Daten pulsierten, ein Schattenriss formte sich in ihm – der Anfang eines neuen Selbst. Es war, als besäße er plötzlich einen Kompass, der ihn durch das Chaos leiten würde. Das Level-0-System hatte ihn gewählt, gegen den Strom.

Die düstere Welt der Dungeons, der Monster, der Geheimnisse – schien mit einem Mal greifbar nah.

Und doch, ein eisiger Schauer kroch seinen Rücken hinauf. Etwas war falsch.

Ein kaum hörbares Flüstern in der Luft, ein Gefühl, als wären unsichtbare Augen auf ihm gebannt. Nicht nur im Büro, nicht nur in diesem Moment.

Sondern überall.

Warum fühlt sich Yannis plötzlich an, als würde er von einer unsichtbaren Macht beobachtet?

Da klopfte es.

Leise, fast unmerklich, aber drängend.

Die Tür vibriert.

Und auf Yannis’ Lippen brannte eine Frage, zu laut, um sie länger zu ignorieren:

Wer beobachtet dich?