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NoveliqaDer Pfad der Ewigen Klinge / Der Fluch des sterblichen Jungen :0%
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Kapitel 1

Der Fluch des sterblichen Jungen

Kapitel 1 Der Fluch des sterblichen Jungen

Der Sturm peitschte unerbittlich durch die zerklüfteten Gipfel von Eryndor. Kaelans Atem schnappte keuchend, seine Rippen brannten unter der Last jedes einzelnen Atemzugs. Das kalte, beißende Regenwasser tropfte von seinen zerzausten schwarzen Haaren und mischte sich mit dem schmierigen Blut, das an seinem linken Arm haftete. Sein Körper schien ein Gefängnis aus Knochen, Haut und Schmerz zu sein — schwach, zerbrechlich, sterblich. Doch in seinem Herzen brannte ein Feuer, das sich weigern würde, zu erlöschen.

Er taumelte einen weiteren Schritt vorwärts, die Klinge an seiner Seite klirrte leise gegen den Fels. Jeder Muskel schrie vor Anstrengung. Mehrfach war er aus dem Gleichgewicht geraten, hatte auf einen spitzen Stein gestützt, nur um nicht zu Boden zu stürzen. Der Wind riss an seiner zerschlissenen Tunika, und irgendwo im Hinterkopf pochte die altbekannte Frage. Warum nur war sein Körper ihm ein feindlicher Ort? Warum entzog sich ihm die Stärke, die er so verzweifelt suchte?

Seine Hand griff ins Leere. Vergeblich suchte er Halt am gräulichen Stein der Berghöhle. Kaelans Augen verengten sich. Ein Teil von ihm schrie, diesmal nicht nur vor Schmerzen, sondern vor Verzweiflung — einem Verzweifeln, das tiefer saß als die Narben, die sich quer über sein Gesicht zogen.

„Du musst weiter.“ Seine raue Stimme war kaum mehr als ein Krächzen, selbst im heftigen Wind kaum zu hören. Doch die Worte trugen eine ungeahnte Kraft, als kämen sie nicht nur aus seinem eigenen Willen, sondern aus einem verdrängten Teil seiner Erinnerung.

Er ließ sich auf die Knie sinken, die Fingerspitzen bohrten sich schmerzhaft ins feuchte Moos. Sehnsüchtig blickte er zum rostigen Schild, der halb verdeckt unter einem Felsvorsprung lag — ein Relikt aus Tagen, die er kaum mehr greifen konnte. Hatte er wirklich geglaubt, durch bloße Entschlossenheit seine sterbliche Schwäche besiegen zu können? War es nicht mehr als ein vergebliches Unterfangen, gegen die Schatten zu kämpfen, die ihm seit Anbeginn seines Daseins folgten?

Der Regen schien kurz zu pausieren, sodass er das sanfte Knarren von Holz hörte. Kurz gleiteten seine Augen zu der schmalen Öffnung der Höhle, aus der ein schwaches, blaues Leuchten schimmerte — kein natürlicher Schein. Kaelan schluckte. Er hatte nie zuvor gewagt, sich dieser verborgenen Kammer zu nähern. Eine uralte Akademie — gesagt wurde, dass hier jene trainierten, die nicht nur den Körper, sondern auch den Geist durch Geheimnisse der Kultivierung über die Grenzen des Sterblichen hinausheben wollten.

Er stand mühsam auf, die Beine zitterten so stark, dass er sich an einem herausragenden Fels krallen musste. Der Blick haftete auf dem Leuchten, das sich nun tiefer in der Dunkelheit bewegte. Stimmen — flüsterten. Kaelan presste die Lippen zusammen.

„Kaelan.“ Die Stimme war kaum mehr als ein Hauch, doch sie schnitt durch den Sturm wie ein scharfer Dolch. Nicht sein eigener Gedanke, sondern eine Fremde, zugleich vertraut und fremd.

Er wirbelte herum, die Hand an die Klinge gelegt. Doch außer dem tosenden Wind und dem knirschenden Kies war nichts zu hören. Nur ein Schatten, schnell verschwunden. Eine Silhouette, die sich mit der Anmut eines Jägers ins Dunkel hüllte.

„Wer... wer bist du?“ Keuchend stemmte er sich gegen die Kälte, die durch seine Knochen kroch.

„Der Meister, der mehr als deinen Körper sieht.“ Die Stimme noch einmal, jetzt klar und befehlend, aber nicht ohne eine Spur von Mitleid.

Ein kalter Schauer lief Kaelan über den Rücken. Nicht das Gewicht seiner Müdigkeit oder seiner Blessuren. Etwas, das ihn tiefer erschütterte: Die Erkenntnis, dass seine sterbliche Schwäche kein Zufall war. Dass jemand, vielleicht sogar etwas — oder irgendjemand mit einer Macht, die er kaum zu fassen wagte — seine Existenz überschattete.

„Zeig dich!“ Kaelan stemmte sich gegen jeden Zweifel, zerrte den Satz aus seinem brüchigen Mund wie ein rohes Bekenntnis.

Doch das blaue Leuchten verblasste, verschwand hinter einer verborgenen Tür, die sich mit einem dumpfen Knarren schloss.

Seine Klaue um die Klinge krampfte sich fester. Der kalte Regen vermischte sich mit den Tränen, die keiner sah.

Der Fluch — er war real. Aber er war nicht allein.

Und die wahre Prüfung hatte gerade erst begonnen.

---

Kaelan wusste nun, dass diese Reise ihn tiefer führen würde, als er es je gewagt hatte zu träumen. Nicht nur in die Geheimnisse der Unsterblichkeit, sondern auch in die Schatten seines eigenen Blutes.

Der Meister...

Wer war er?

Und welche Macht barg er, die Kaelans Körper mehr zermürbte, als das rudimentäre Fleisch jemals vermochte?

Der Sturm tobte weiter, hilflos gegen die brennende Frage, die Kaelans Seele bewegte.

Es gab keinen Weg zurück.

Nur noch vorwärts—

Ins Herz des Fluchs, der ihn verfolgte.